{"id":481,"date":"2023-05-19T12:43:34","date_gmt":"2023-05-19T09:43:34","guid":{"rendered":"https:\/\/m-arc.org\/en\/?p=481"},"modified":"2024-03-17T19:55:12","modified_gmt":"2024-03-17T16:55:12","slug":"spaces-for-children-development","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/m-arc.org\/de\/2023\/05\/entwicklungsraume-fur-kinder\/","title":{"rendered":"Entwicklungsr\u00e4ume f\u00fcr Kinder"},"content":{"rendered":"<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-top-right\"><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481?print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/481?print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><p>Zurzeit werden \u00fcberall Kindertagesst\u00e4tten gebaut. Sieht man die Ergebnisse, taucht oft die Frage auf, f\u00fcr wen wurde da gebaut?<br \/>\nDie Kindertagesst\u00e4tte hat die Aufgabe, Raum f\u00fcr eine gesunde k\u00f6rperliche, soziale und geistige Entwicklung der Kinder zu schaffen. Ein Raum, in dem die ErzieherInnen die Kinder im Vorschulalter in ihrer Entwicklung begleiten, sich in der Welt einzuleben und sie begreifen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Architektur ist bisher nur in wenigen Bereichen \u00fcber die Erf\u00fcllung funktionaler Anforderungen hinausgekommen. Nur in der Reggio- und Waldorfp\u00e4dagogik finden wir Gestaltungsans\u00e4tze, die sich aus der P\u00e4dagogik heraus entwickelt haben. Mit diesem Beitrag soll die Beziehung zwischen dem Kind und der Architektur und ihre p\u00e4dagogische Wirkung dargestellt werden. Dies ist umso wichtiger, da sich in den letzten Jahren das Entwicklungsumfeld der Kinder von der famili\u00e4ren Erziehung hin zu Krippen- und Ganztagesbetreuung verschoben hat.<br \/>\nZun\u00e4chst m\u00f6chte ich etwas tiefer in die Grundlagen in P\u00e4dagogik und Menschenorganisation einsteigen, um dann die Auswirkung und Anforderungen auf die Architektur zu verstehen.<\/p>\n<h3>Geschichte<\/h3>\n<p>Was wir heute als Kindertagesst\u00e4tte verstehen, umfasst den Bereich des fr\u00fcheren Kindergartens f\u00fcr Kinder ab 3 bis 6 Jahren sowie der Kinderkrippe von der Geburt bis zu 3 Jahren. Geschichtlich gehen beide Einrichtungen auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. W\u00e4hrend die Kinderkrippen sich aus den S\u00e4uglings- und Kinderheimen f\u00fcr die Armen und Waisen entwickelt haben, hat sich der Kindergarten aus einem erziehungsp\u00e4dagogischen Ansatz heraus entwickelt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde durch Friedrich Wilhelm August Fr\u00f6bel der erste Kindergarten in Deutschland begr\u00fcndet. Ziel war es, die Familie in der Erziehung der Kinder zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nAnfang des 20. Jahrhunderts kamen aus der Reformp\u00e4dagogik neue Impulse. So hat Rudolf Steiner in verschiedensten Schriften sich zur Entwicklung des Kindes und zur P\u00e4dagogik ge\u00e4u\u00dfert. Aber auch Maria Montessori hat durch ihre Beobachtungen die Entwicklungen in der P\u00e4dagogik beeinflusst.<br \/>\nIm Nationalsozialismus und sp\u00e4ter auch in der DDR wurde der Erziehungsauftrag ideologisch missbraucht. In den Nachkriegsjahren war durch die zerbrochen Familien und der Notwendigkeit, dass die Frauen arbeiten mussten, die Betreuung der Kinder ein wesentlicher Schwerpunkt der Kinderg\u00e4rten.<\/p>\n<h3>P\u00e4dagogik<\/h3>\n<p>Das p\u00e4dagogische Konzept bestand darin, die Kindern f\u00fcr ein Leben in der Gesellschaft zu erziehen und auf die Schule vorzubereiten.<i> <\/i>Erst in den sechziger und siebziger Jahren wurden weitere entwicklungspsychologische Gesichtspunkte in die P\u00e4dagogik integriert. Hier seien nur die Impulse der Reggiop\u00e4dagogik aus Italien genannt. F\u00fcr den Krippenbereich hat die Kinder\u00e4rztin Emilia Pickler durch ihre Beobachtungen an Heimkindern wesentliche Impulse gegeben. Durch die neue p\u00e4dagogische Bewertung wurde der Kindergarten 1970 zur ersten Stufe des Bildungssystems erkl\u00e4rt. Die Ans\u00e4tze zur Krippenp\u00e4dagogik heute beruhen im Wesentlichen auf der p\u00e4dagogischen und psychologischen Beobachtung der kindlichen Entwicklung. Die Wahrnehmung der kindlichen Bed\u00fcrfnisse ist somit Grundlage f\u00fcr die verschiedensten p\u00e4dagogischen Konzepte im Krippenbereich. Im \u201eDas Kinder-und Jugendhilfegesetz\u201c (KJHG 2007) \u00a71 hei\u00dft es \u201ejeder junge Mensch hat ein Recht auf F\u00f6rderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsf\u00e4higen Pers\u00f6nlichkeit\u201c. Dies ist nun gesellschaftlicher Konsens.<br \/>\nDer Mensch ist in vielerlei Hinsicht eine Fr\u00fchgeburt und deswegen nicht determiniert und so offen in seiner Entwicklung! Damit sich die Kinder entfalten k\u00f6nnen, brauchen sie Schutz, Geborgenheit und W\u00e4rme in ihrem Umfeld, in Fortf\u00fchrung der Mutterh\u00fclle. Hilfreich ist hier das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners, das aus geisteswissenschaftlicher Sicht dem Entwicklungsprozess des Menschen noch weitere Gesichtspunkte hinzuf\u00fcgen kann. So k\u00f6nnen wir den ganzen Entwicklungsprozess auch als Inkarnationsprozess verstehen. Das Kind als geistiges Wesen arbeitet sich in seinen K\u00f6rper hinein.<br \/>\nRudolf Steiner f\u00fchrt dazu im Vortrag \u201eP\u00e4dagogik und Moral\u201c 3\/1923 (Anthroposophischer Menschenkunde und P\u00e4dagogik) aus, dass die ersten drei Lebensjahre wichtiger sind als alle folgenden Entwicklungsphasen. Er weist auf die Wichtigkeit des Gehenlernens, Sprechenlernens, und Denkenlernens hin und wie sich das Kind in die Welt hineinorganisiert. Durch das Einleben in die Welt so Steiner, werden die inneren Organe als Grundlage f\u00fcr das Menschliche sein ausgebildet. Dann bis zum Zahnwechsel lebt das Kind ganz hingegeben in seine Umgebung. Als nachahmendes Wesen macht es die Au\u00dfenwelt zu einem Teil seines Selbst. Hier sei noch einmal Steiner zitiert \u201e Es will nachahmen was der Erwachsene tut. Worauf es beim Kindergarten gerade ankommt, das ist, dass das Kind nachahmen muss das Leben\u201c. (In \u201eDie P\u00e4dagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis\u201c,. Vortrag \u201eSpiel und Arbeit\u201c, 18.4.1923)<br \/>\nDie wissenschaftlichen Beobachtungen der Hirnforschung in den letzten Jahren best\u00e4tigt diese Erkenntnis. Die Wichtigkeit der fr\u00fchkindlichen Erfahrung f\u00fcr die Entwicklung im sp\u00e4teren Leben wurde in unserer Zeit systematisch erarbeitet. Alle Organe und Sinne bilden sich an der Umwelt. Auch das menschliche Gehirn erh\u00e4lt in dieser Zeit seine inneren Auspr\u00e4gungen und Vernetzungen. Dies wird heute durch die Entwicklungs- und Gehirnforschung z.B. durch Gerald H\u00fcther auch best\u00e4tigt.<br \/>\nIn der Lebensphase von eins bis sieben Jahren, also im Elementarbereich, k\u00f6nnen wir zwei wesentliche Entwicklungsschritte beobachten. In den ersten drei Jahren ergreift das Kind seinen Leib. Es entwickelt sich vom hilflosen, auf dem R\u00fccken liegenden, Wesen zum eigenst\u00e4ndigen, sich im Raum bewegenden, Menschenkind. In der Lebensphase von drei bis sechs Jahren f\u00e4ngt das Kind an, die Welt zu begreifen, zu erfahren, zu erobern. Diese Entwicklung vollzieht sich nicht linear, sondern in Entwicklungszyklen, in Metamorphosen, die nach Erreichen eines Entwicklungsstandes sich in verwandelter Form fortsetzen.<br \/>\nIm ersten Lebensabschnitt des Menschen zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr erlangt das kleine Kind die motorische Herrschaft \u00fcber die Gliedma\u00dfen. Hat es diesen Schritt erreicht, wird es versuchen, sich fortzubewegen, zu krabbeln, sich aufzusetzen und mit unerm\u00fcdlicher Aktivit\u00e4t zu stehen und in den aufrechten Gang zu kommen. Dieser Erwerb der menschlichen Grundhaltung ist ein st\u00e4ndiger Kampf gegen die Schwerkraft. Durch diese T\u00e4tigkeit werden bis in das Physische hinein die Organe umgestaltet und an den aufrechten Gang angepasst. Das Kind hat dadurch die Freiheit gewonnen, mit den H\u00e4nden sch\u00f6pferisch frei zu agieren. Dies ist die Grundlage f\u00fcr die Aus\u00fcbung aller menschlicher F\u00e4higkeiten, des Erlernens der Sprache und drauf aufbauend des Denkens.<br \/>\nUm diesen Impuls im Kind zu erwecken, ist der erwachsene Mensch das Vorbild, der in seiner Ichhaftigkeit diese \u00dcberwindung der Schwerkraft erlebbar macht. Ohne Menschen in seinem Umfeld, die den Impuls dazu geben, wird es diese Anstrengung nicht unternehmen. Das Stehen auf der Erde st\u00e4rkt das Urvertrauen. Die Erde tr\u00e4gt mich. Immer wird die Entwicklung aus eigenem Antrieb weiter gef\u00fchrt, es gibt keinen Stillstand. Ist das Gleichgewicht erobert, werden schon die ersten Schritte unternommen. Sobald die Welt ergriffen werden kann, werden erste Begriffe gebildet, die die Grundlage f\u00fcr das Denken sind. So kommt dem Be-greifen im wahrsten Sinne eine grundlegende Bedeutung zu. Das Kind entwickelt seine eigene Sprache, um sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen. So stellt es sich in die Kultur, in die es geboren wird, hinein.<br \/>\nIm zweiten Entwicklungsschritt also in der Zeit von drei Jahren bis zum Zahnwechsel bzw. Schulbeginn, wenn das Kind sich als Ich erleben kann, ist es reif f\u00fcr den \u201eKindergarten\u201c. Die Kinder \u00f6ffnen sich der Welt. Sie brauchen den Erwachsenen als Vorbild, um sich in der Nachahmung daran weiter zu entwickeln. Dadurch werden die Sinne und F\u00e4higkeiten ausgepr\u00e4gt, um sich in die Welt zu stellen. Durch die Sprache und deren rhythmisch musikalische Qualit\u00e4t erlebt das Kind auch die differenzierten seelischen \u00c4u\u00dferungen des Erwachsenen. F\u00fcr diese Eigenentwicklung ben\u00f6tigt das Kind Vorbilder, aber eben auch Zeit und Raum und Anregung aus der Umwelt. Mit dem Zahnwechsel kommt dann dieser Organbildeprozess zu einem gewissen Abschluss.<\/p>\n<h3>Die Beziehung von Mensch und Raum<\/h3>\n<p>Dieser Prozess wird im durch die Menschen im Umfeld, durch Eltern, die ErzieherInnen und auch durch die Architektur erm\u00f6glicht. Die R\u00e4ume bilden nicht nur die dritte Haut des Menschen, sondern wirken auch auf das Kind ein.<br \/>\nDiese spannende Wechselwirkung zwischen Eigenaktivit\u00e4t und Impulsen aus der Umwelt hat dazu gef\u00fchrt, dass der Raum inzwischen als dritter Erzieher anerkannt wird. 2008 im Wettbewerb des von \u201eInvest in Future\u201c ausgelobten Preises f\u00fcr innovative P\u00e4dagogik ist der Raum als dritter Erzieher thematisiert. Dieser Aufgabe entsprechend muss die Architektur gestaltet sein.<br \/>\nGerade in unserer heutigen Zeit, in der die grundlegenden Erfahrungsm\u00f6glichkeiten der Kinder durch unsere Kultur stark eingeschr\u00e4nkt werden, kommt der Architektur eine wichtige, die P\u00e4dagogik unterst\u00fctzende Aufgabe zu. Sie muss das nat\u00fcrliche Lebensumfeld kompensieren.<br \/>\nTrotz vieler Debatten \u00fcber p\u00e4dagogische Konzepte und Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung werden die r\u00e4umlichen Voraussetzungen h\u00e4ufig nicht diskutiert. Die Bed\u00fcrfnisse der Kinder m\u00fcssten aber die Grundlage f\u00fcr die qualitativen Anforderungen an die R\u00e4ume sein.<br \/>\nWie wirkt die Architektur auf die Kinder in verschiedenen Bereichen?<br \/>\nDie Br\u00fccke sind hier unsere Sinnesorgane mit denen wir die physische Welt wahrnehmen und uns mit der Welt verbinden.<br \/>\nDas folgende Schaubild soll die Beziehung verdeutlichen. Es beruht auf den Darstellungen Rudolf Steiners, der den menschlichen Leib in drei Bereiche, Kopf, Brust und Gliedma\u00dfen gliedert. Mit seinen Gliedma\u00dfen stellt sich der Mensch in die Welt hinein, verbindet sich mit ihr. Im Brustbereich, &#8211; dem rhythmischen System mit Herz und Lunge &#8211; entwickelt sich das seelische Eigenleben, eine erste Freiheit wird erlangt. Das Entwickeln von Begriffen und Vorstellungen steht mit dem Kopf in Beziehung. Hier erkennen wir wieder den Dreischritt, wie er oben schon beschrieben wurde.<br \/>\nDiesen drei Bereichen k\u00f6nnen wir Sinneorgane zuordnen. Dazu k\u00f6nnen wir auf die Sinneslehre R. Steiners in \u201eAllgemeine Menschenkunde als Grundlage der P\u00e4dagogik\u201c zur\u00fcckgreifen, in welcher er zw\u00f6lf Sinne entwickelt und mit dem Leibe in Beziehung setzt. Willi Aeppli hat in seinem Buch \u201eSinnesorganismus, Sinnesverlust, Sinnespflege\u201c diese Beziehungen detailliert erarbeitet. Es wird dargestellt, dass das Kind in diesem Alter mit seinem Organismus ganz SINN ist.<i> <\/i>Dabei ist zu bemerken, dass Sinneswahrnehmung nicht eindimensional sind, mindestens zwei weitere Sinne schwingen mit. Durch ein Verst\u00e4ndnis der Beziehung von Wahrnehmung auf unseren Leib, k\u00f6nnen wir dann R\u00fcckschl\u00fcsse auf die architektonischen Qualit\u00e4ten ziehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Schema-DE.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-598\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Schema-DE.jpg\" alt=\"\" width=\"945\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Schema-DE.jpg 945w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Schema-DE-300x175.jpg 300w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Schema-DE-768x449.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es sind die physisch willensorientierten und basalen Sinne, der Tastsinn, der Lebens- oder Vitalsinn, der Gleichgewichtssinn und der Bewegungssinn, die sich in den ersten drei Jahren zuerst entwickeln und die Grundlage f\u00fcr die Weiterentwicklung schaffen. Die Entsprechung in der Architektur f\u00fcr diese Bereiche sind Oberfl\u00e4che, Materialqualit\u00e4t, Baubiologie, Konstruktion, Statik und Bewegungsdynamik. Es sind die Oberfl\u00e4chen mit denen der kleine Mensch als erstes einen direkten Kontakt bekommt, um die Welt zu begreifen. Die Materialqualit\u00e4ten m\u00fcssen ehrlich und authentisch sein, ansonsten werden die Sinne korrumpiert. Wie kann sich an einem Buchenholz- Kunststoffimitat die Materialqualit\u00e4t von Holz herausbilden? Die Oberfl\u00e4che ist immer gleich glatt und abweisend, der Klang dumpf. Wie sch\u00f6n kann da ein St\u00fcck Buchenholz sein, das mit ge\u00f6lter Oberfl\u00e4che und seinem Klang seine innere Struktur verr\u00e4t. Aber auch die gesundheitlichen Aspekte sind zu betrachten, denken wir nur an die Weichmacher in Kunststoffen oder giftigen Farben. Nehmen wir die Vorgaben aus der P\u00e4dagogik ernst, k\u00f6nnen wir solche Dinge nicht einsetzen.<br \/>\nDie Konstruktion in ihrer tragenden und statischen Funktion soll ehrlich und nachvollziehbar sein. Die Senkrechte muss betonen werden, um dem Kind die Wahrnehmung f\u00fcr die eigene Aufrechte zu erm\u00f6glichen. Die Raumesrichtungen von vorn und hinten, rechts und links, oben und unten m\u00fcssen sich eindeutig zeigen, um Halt und Orientierung f\u00fcr die ersten Bewegungen zu geben. Die Ma\u00dfst\u00e4blichkeit der Architektur und ihrer Proportion sollte sich an den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des erwachsenen Menschen orientieren. So entwickeln die Kinder Urvertrauen an ihre Umwelt. F\u00fcr die Ausbildung des Gleichgewichtssinnes in der ersten Phase ist ein fester Standpunkt Voraussetzung. Nur so kann die Raumesorientierung gelingen. Die Grundrissfl\u00e4che sollte also \u00fcberschaubar und am Besten symmetrisch orientiert sein. Nat\u00fcrlich entwickeln sich in dieser Zeit auch gef\u00fchlorientierten Sinne. So ist eine gute Akustik Voraussetzung, um sich zu verstehen und die Sprache zu erlernen.<br \/>\nManche gut gemeinten Versuche, kindgerechter Architektur wie eine Kita als untergehendes Schiff -Kita in Stuttgart Sonnenberg von Benisch &#8211; oder, eine kindliche \u201eZwergen-Architektur\u201c zu gestalten, sind f\u00fcr die Entwicklung sch\u00e4dlich. Sie st\u00f6ren die Sinnesentwicklung mit ungeahnten Folgen.<br \/>\nWarum sind die Anforderungen heute so hoch? Fr\u00fcher haben sich die Kinder doch auch gut entwickelt? Die Kindertagesst\u00e4tte muss heute das in unserer Gesellschaft und Zivilisation fehlende nat\u00fcrliche Lebensumfeld kompensieren. Eine geistig erf\u00fcllte k\u00fcnstlerische Gestaltung, die sinnvoll und nachvollziehbar ist, ist daf\u00fcr notwendig. Der von den Erziehern ergriffene Lebensraum wird zum Vor-Bild und impulsiert eigene Sch\u00f6pferkr\u00e4fte.<\/p>\n<h3>Raumkonzept f\u00fcr die Krippenkinder<\/h3>\n<p>Der Raum soll Sicherheit, Halt und Orientierung bieten, Anregung und Impulse geben und Aufforderungscharakter zu eigenem Handeln haben. Aus der P\u00e4dagogik ergeben sich f\u00fcr den Kleinkindbereich drei Zonen, die unterschiedlich zu gestalten sind, den Aktivbereich, den Pflegebereich und den Ruhe-\/Schlafbereich, gegliedert in mindestens zwei R\u00e4umen.<br \/>\nDer <strong>Bewegungsbereich<\/strong> mit Treppen und Rampen hat f\u00fcr Kinder in diesem Alter eine besondere Anziehungskraft.<br \/>\nDie Architektur muss zum Erlebnisspiegel des eignen Leibes werden, um die Sinne richtig zu entwickeln und f\u00fcrs Leben zu eichen. F\u00fcr die Krabbelkinder sollte dieser Raum noch einmal begrenzt werden, damit sie sich nicht verlieren. Einrichtungen nach Emilie Pickler bieten weitere Impulse, sich zu bet\u00e4tigen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-595\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-300x199.jpg 300w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-768x509.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-1536x1017.jpg 1536w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6870-2048x1356.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-594\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-678x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-678x1024.jpg 678w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-199x300.jpg 199w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-768x1160.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-1017x1536.jpg 1017w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-1356x2048.jpg 1356w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6851-scaled.jpg 1696w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der <strong>Pflegebereich<\/strong> als gesch\u00fctzte Zone, mit dem Wickeln sollte gut geplant sein. Das ist der Bereich an welchem das Kind ganz alleine die Aufmerksamkeit der Erzieherin erf\u00e4hrt. Es sollte alles so platziert sein, dass durch die Routinehandlungen keine Ablenkung erfolgt. Muss die Erzieherin die Kinder auf dem Wickeltisch heben? Bei zehn Kindern ist das schon eine erhebliche Belastung. Da ist es gut, wenn die gr\u00f6\u00dferen schon alleine mit einer kleinen Treppe auf den Wickeltisch steigen k\u00f6nnen. Das Kind sollte im Liegen oder Stehen gewickelt werden k\u00f6nnen. Der Waschtisch sollte nahe bei sein. Die Wechselkleidung und Windeln sind in den Schulbaden unter dem Wickeltisch f\u00fcr jedes Kind, also in Griffweite. W\u00e4rmelampe \u00fcber dem Wickelplatz f\u00fcr die kleinen, wenn alles gut organisiert ist, kann sich die Erzieherin ganz auf den Kontakt mit dem Kind konzentrieren.<\/p>\n<p><i>Foto Wickelbereich geschlossen und offen<\/i><\/p>\n<p>Der <strong>Schlaf- und Ruhebereich<\/strong> soll durch Stoffe und eine akustisch wirksame Decke ged\u00e4mpft und durch Vorh\u00e4nge oder Rollos verdunkelbar sein. Jedes Kind hat seinen eigenen individuellen, gesch\u00fctzten Schlafplatz, um zur Ruhe kommen zu k\u00f6nnen. Dies ist f\u00fcr die heutigen Kinder ganz wichtig und durch eine Gestaltung der Kinderbetten, Schlaf-kojen oder Podeste m\u00f6glich.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-592\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"1017\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-683x1024.jpg 683w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-200x300.jpg 200w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-768x1152.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_0058-scaled.jpg 1707w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<h3><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-593\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-300x199.jpg 300w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-768x509.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-1536x1017.jpg 1536w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/215KK_DSC_6834-2048x1356.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><br \/>\nRaumkonzept f\u00fcr die \u00fcber Dreij\u00e4hrigen<\/h3>\n<p>Seelisches Eigenleben entwickelt sich im Rollenspiel, z.B. beim Bauen, Malen, Werken, der Essenszubereitung, beim gemeinsamen Essen oder Zuh\u00f6ren im M\u00e4rchenkreis. Der Raum bildet eine freilassende H\u00fclle, die die Eigenaktivit\u00e4t fordert. Er sollte sich in Zonen f\u00fcr die verschiedenen Aktivit\u00e4ten gliedern. Das ist wichtig bei der heutigen Gruppengr\u00f6\u00dfe von mehr als 20 Kindern, dass sich die einzelnen Gruppen nicht gegenseitig st\u00f6ren. Die Kinder m\u00fcssen ganz eintauchen k\u00f6nnen in das Eigenerleben in ihre eigene seelische Entwicklung durch die Fantasie. St\u00e4rker wirkt diese Raumesgliederungen, wenn sie durch Gestaltungen im Grundriss und durch unterschiedliche H\u00f6hen der Decke unterst\u00fctzt werden. Die Helligkeit im Raum sollte an die Aktivit\u00e4ten angepasst werden k\u00f6nnen. So ist f\u00fcr den Erz\u00e4hlkreis eine ganz andere Licht &#8211; Stimmung erforderlich als f\u00fcr den Bereich in dem die Werkbank steht und handwerklich gearbeitet wird.<br \/>\nWie kann die Architektur die Entwicklung des Kindes und die Arbeit der ErzieherInnen unterst\u00fctzen? Dazu einige Ausf\u00fchrungen zu den Raumeselementen.<br \/>\nDer Boden muss sicheren Halt geben, damit sich die Kinder aufrichten k\u00f6nnen. Danach sind Material und Farbe zu w\u00e4hlen. Am Besten eignet sich daf\u00fcr ein mit r\u00f6tlichem \u00d6l eingef\u00e4rbter Korkbelag. Dieser ist leicht elastisch, von der Oberfl\u00e4chentemperatur w\u00e4rmer und gut zu reinigen. Leider ist er nicht so strapazierf\u00e4hig und sollte im Hausschuhbereich eingesetzt werden. In beanspruchteren Bereichen sind Linoleumb\u00f6den eine Alternative. Der r\u00f6tlich braune oder auch gr\u00fcne Farbton bietet den Kindern einen sicheren Grund f\u00fcr die Entwicklung.<br \/>\nDie W\u00e4nde fest und unverr\u00fcckbar, sie tragen Decke und Dach. Sie bilden den Schutzraum f\u00fcr die Entwicklung. Eine feine Putzstruktur zeigt die Materialhaftigkeit an der Oberfl\u00e4che. Sie darf aber nicht zu scharfk\u00f6rnig sein. Durch die Ausbildung von abgerundeten Fensterleibungen und Wandkanten haben wir die wahrnehmbare Massivit\u00e4t der Wand gesteigert. Die Wand ist der Haupttr\u00e4ger der Farbe und Raumfarbstimmung. Durch eine Wandlasur schaffen wir so einen sch\u00fctzenden, f\u00fcr die Entwicklung des Kindes offenen Raum, der Geborgenheit vermittelt. Durch eine an die Wandfarbe angepasste Sockelleiste steht die Wand gut und fest.<br \/>\nDie Decke schlie\u00dft den Raum nach oben ab, sie soll sch\u00fctzen, aber nicht bedr\u00e4ngen. Eine horizontale, gerade Decke wirkt h\u00e4ufig dr\u00fcckend bzw. wirkt durchh\u00e4ngend, vor allem dann, wenn sie zu nieder ist. Dem kann dadurch entgegengewirkt werden, dass Decken \u00fcberw\u00f6lbt ausgef\u00fchrt oder noch st\u00e4rker plastisch gestaltet werden. So entsteht die Empfindung der inneren Freiheit und Aufrichtekraft. Wichtig ist aber, dass die Decke auf der Wand aufsitzt und von ihr getragen wird. Wird die Lasur der Wand auch \u00fcber die Decke gef\u00fchrt, bildet dies eine gute Farbh\u00fclle f\u00fcr alle Aktivit\u00e4ten. Die Decke ist meist auch Tr\u00e4ger der Akustikma\u00dfnahmen.<br \/>\nDie Fenster sollten nicht zu gro\u00df sein und senkrechte Formate haben oder senkrecht gegliedert sein, dann ist an Ihnen die Aufrechte zu erleben. Die Fensterbr\u00fcstung, m\u00f6glichst in unterschiedlicher H\u00f6he, schlie\u00dft den Raum und schaft eine intime H\u00fclle. Ohne Br\u00fcstung flie\u00dft der Raum nach drau\u00dfen. Sch\u00f6n ist eine mehrseitige Belichtung, das erh\u00f6ht die Plastizit\u00e4t und Sinnlichkeit. Sprossen in den Fenstern lassen durch die Bewegung des Schattenbildes im Raum den Lauf der Sonne erleben. Die unterschiedlichen Br\u00fcstungsh\u00f6hen schaffen gesch\u00fctzte Zonen am Boden und auch vor dem Fenster. Tief liegende Fensterb\u00e4nke laden dazu ein darauf zu Spielen oder zu sitzen, zum Beobachten, was drau\u00dfen geschieht, um vielleicht den Regentropfen nach zu tr\u00e4umen. Hoch liegende Fensterfl\u00fcgel wiederum lassen sich nur von Erzieherinnen bedienen, das schafft Sicherheit und die Dekoration kann auf der Fensterbank beim notwendigen L\u00fcften verbleiben. Durch bewegliche, farbige Jalousien und Vorh\u00e4nge kann die Lichtstimmung und -intensit\u00e4t und Farbigkeit im Raum, je nach Aktivit\u00e4t, gesteuert werden.<br \/>\nLicht hat eine Beziehung zum Bewusstsein, es kann Sonnenlicht und k\u00fcnstliche Belichtung sein. So kommt dem Umgang mit dem Licht eine wichtige Aufgabe f\u00fcr die Raumstimmung zu. Im Licht wachen wir auf, sind mit den Sinnen au\u00dfer uns. Damit die Kinder im Tr\u00e4umen sich gesch\u00fctzt entwickeln k\u00f6nnen, sollte das Licht im Krippenbereich ged\u00e4mpft, nicht zu hell sein. Die Kinder sollen ganz bei ihrer K\u00f6rperlichen Entwicklung bleiben k\u00f6nnen, ohne allzu viele Ablenkungen aus der Umwelt. Hier geht es ja noch um die k\u00f6rpereigene Wahrnehmung.<br \/>\nF\u00fcr die \u00e4lteren Kinder sollte das Licht den Aktivit\u00e4ten angepasstem sein. So entsteht ein Spannungsfeld von ged\u00e4mpfter, warmer Lichtfarbe zum Tr\u00e4umen und Geschichten h\u00f6ren und zu k\u00fchlerem, schattenreicherem Licht zum Werken.<br \/>\nDie nat\u00fcrliche Belichtung ist zu bevorzugen. Die k\u00fcnstliche Belichtung sollte die Qualit\u00e4t voll unterst\u00fctzen und erg\u00e4nzen. Gut ist, wenn die Beleuchtung dimmbar ist, noch besser, wenn sie sich auch in ihrer Lichtfarbe ver\u00e4ndern kann. Als Ersatz f\u00fcr das Gl\u00fchlampenlicht k\u00f6nnen wir eine Kombination von Halogen- und LED-Leuchten einsetzen und so die Lichtfarbe -Qualit\u00e4t und -intensit\u00e4t steuern.<\/p>\n<h3>Farbe<\/h3>\n<p>F\u00fcr eine Kita sollte auf jeden Fall ein Farbkonzept entwickelt werden, das sich wie die Architektur an den Bed\u00fcrfnissen orientiert. Die Farbkonzeption belebt und steigert das erleben der Architektur. Hier hat Farbe nichts mit Geschmack zu tun. Farbe spricht den Menschen im mittleren, dem seelischen Bereich an und gibt den R\u00e4umen Empfindungsqualit\u00e4t. Die Farbwahl f\u00fcr die Kita ergibt sich aus der Grundthematik der H\u00fcllenbildung und der Nutzung in diesem erweiterten Sinne. F\u00fcr die Gruppenr\u00e4ume sollte eine frei lassende, h\u00fclleschaffende Grundfarbigkeit zwischen rosa und lachsfarben gew\u00e4hlt werden, die W\u00e4nde und Decken einbindet. In den Fluren und Garderoben kann die Farbigkeit durch Farbwechsel Impulse geben. Hier ist ja Leben und Bewegung.<br \/>\nDurch die Lasurtechnik ist eine differenzierte Farbgestaltung m\u00f6glich. Die Farben werden in mehreren transparenten Schichten unterschiedlicher Farbigkeit aufgetragen. So kann eine kr\u00e4ftige Farbigkeit entstehen, die nicht bedr\u00e4ngt. Die Wandfl\u00e4chen wirken lebendig und sind stark von wechselnden Lichtstimmungen gepr\u00e4gt. Es entstehen vielf\u00e4ltige, immer wieder neue, belebende Sinneseindr\u00fccke. Die im Tagesverlauf wechselnden Lichteinf\u00e4lle beleben die Farbwirkung der Lasurtechnik. Enge und Weite von Aktivit\u00e4ts- und R\u00fcckzugsbereichen werden durch die Farbgebung unterst\u00fctzt, verst\u00e4rkt und machen so die Funktionsbereiche auf allen Wahrnehmungsebenen erlebbar.<br \/>\nDie Akustik in den Kitas wurde \u00fcber Jahre vernachl\u00e4ssigt. Der Ger\u00e4uschpegel bei 24 Kindern ist eigentlich nur mit Geh\u00f6rschutz auszuhalten. Auff\u00e4llig wurde dies, als die Schwerh\u00f6rigkeit der ErzieherInnen zunahm. Gerade f\u00fcr das Erlernen der Sprache ist eine gute Verst\u00e4ndlichkeit im Raum Voraussetzung. Aber auch damit die Kinder ihren unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten ohne St\u00f6rung und Ablenkung nachgehen k\u00f6nnen. Am einfachsten kann die Raumakustik durch eine wirkungsvolle Akustikdecke beherrscht werden.<\/p>\n<h3>Arbeitsplatz der Erzieherin<\/h3>\n<p>Nicht vergessen d\u00fcrfen wir, dass die KITA auch Arbeitsplatz f\u00fcr die ErzieherIn ist. Da gilt es, neben den gesetzlichen Vorschriften und Verordnungen auch deren Bed\u00fcrfnisse zu ber\u00fccksichtigen. Die Arbeitsabl\u00e4ufe im und vor dem Gruppenraum sollten gut organisiert sein, so dass kein Stress bei der Arbeit mit den Kindern aufkommt. Es sollte so gestaltet sein, dass es m\u00f6glichst kein Nein f\u00fcr die Kinder gibt, es muss f\u00fcr alles ein Ja geben k\u00f6nnen. Die Architektur soll eine positive Stimmung vermitteln. Wir haben oben gesehen, wie wichtig die Vorbildfunktion der ErzieherInnen f\u00fcr die Entwicklung ist. Nur zufriedene, ausgeglichene P\u00e4dagogInnen k\u00f6nnen ein positives Vorbild sein! Die Architektur schafft die H\u00fclle f\u00fcr das soziale Leben der Kindern und ErzieherInnen in der Erziehungskunst gelebt wird.<br \/>\nVieles was hier angeschnitten wurde, l\u00e4sst sich auch auf die Gestaltung der Au\u00dfenbereiche anwenden. Dies ist jedoch nicht Gegenstand dieser Ausf\u00fchrung.<\/p>\n<h3>Lebendig organische Gestaltung<\/h3>\n<p>Schutz, Geborgenheit und Raum f\u00fcr die Entwicklung sind also unsere Ausgangspunkte f\u00fcr die Gestaltung.<br \/>\nJetzt haben wir viele Kriterien f\u00fcr eine Kitagestaltung aufgef\u00fchrt. Die Kunst des Architekten ist es nun all diese Anforderungen mit den Realit\u00e4ten vor Ort, Budget, Bauplatz, rechtlichen Anforderungen usw. in eine Gestalt zu bringen, eine Gestalt, die der Aufgabe Kindertagesst\u00e4tte gerecht wird. Dies muss durch einen k\u00fcnstlerischen Impuls des Architekten erfolgen. Neben der Erf\u00fcllung der aufgef\u00fchrten Kriterien zur Belebung der sinnlichen Wahrnehmung muss auch etwas K\u00fcnstlerisches, Geistiges durch die Gestaltung anklingen. So m\u00fcssen sich, wie in der Entwicklung der Kinder, die oben genannten Gesichtspunkte in einer Metamorphose wandeln, so wie in der kindlichen Entwicklung die Kr\u00e4fte und Gestaltungsimpulse sich st\u00e4ndig in Verwandlung befinden und die Lebenskr\u00e4fte zum Schwingen bringen. Durch flie\u00dfende Formen im Grundriss werden bei den Bewegungen durch und im Geb\u00e4ude die Lebenskr\u00e4fte impulsiert.<br \/>\nDie Entwicklung der Senkrechten und die Belebung durch Schw\u00fcnge sind wichtige formale Ans\u00e4tze f\u00fcr die Architekturgestalt. So sind die senkrechten Elemente in der Architektur, in Fassadengliederung, Eingangselement, Fensterformat, aber auch bei M\u00f6beln und Einbauten, zu betonen. Durch doppelt gekr\u00fcmmte Gestaltungen der Decken und D\u00e4cher kommen \u00e4therische, lebendige Formen, die wir auch in der Natur sehen, ins Erleben und verwandeln und beleben die aus festem Material bestehende Architektur. Durch solch eine Dachgestaltung kann z.B. das Besch\u00fctzen, das der P\u00e4dagogik als Ansatz dient, auch in der Architektur sichtbar werden. Das Kind erlebt so die in ihm wirkenden leiblich gestaltbildenden Kr\u00e4fte an der Architektur. Zur Bew\u00e4ltigung dieser Aufgabe, einer geist erf\u00fcllten Gestaltung, kann der lebendig organische Gestaltungsimpuls einen wesentlichen Beitrag leisten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-596\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"451\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-300x199.jpg 300w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-768x511.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4049-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-597\" src=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-1024x508.jpg\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-1024x508.jpg 1024w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-300x149.jpg 300w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-768x381.jpg 768w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-1536x762.jpg 1536w, https:\/\/m-arc.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/DSC_4429-2048x1016.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sollte heute eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein, dass die Auswahl der Baustoffe und Materialien, auch in Hinsicht auf kommende Generationen, weitgehend \u00f6kologischen, baubiologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten entspricht. Diese Gesichtspunkte d\u00fcrfen aber nich Gestaltpr\u00e4gend sein sondern m\u00fcssen sich aber der Gestalt die sich aus der Aufgabe entwickelt dienen.<\/p>\n<h3>Suche nach dem zuk\u00fcnftigen Wesen<\/h3>\n<p>Mit diesem Beitrag sollen Anregungen f\u00fcr die individuelle Gestaltungsans\u00e4zte gegeben werden. Die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Bauaufgaben sind viel zu unterschiedlich, um sie in gestalterische Regeln oder Rezepte zu fassen. Das Bewusstsein f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse der Kinder und f\u00fcr die Entwicklungsgesichtspunkte ist aber die Voraussetzung f\u00fcr ein Gelingen der Bauaufgabe.<br \/>\nUnter diesen Vorzeichen ist in gemeinsamer Arbeit von Erziehern, Eltern, Architekten und allen Beteiligten die Bauaufgabe zu bewegen und die individuellen Kriterien zu entwickeln. Durch dieses gemeinsame Ringen werden sich Kr\u00e4fte entwickeln, die Wesenhaftes, aus der Zukunft hereinwirkendes als geistigen Impuls erfahrbar machen. Im sch\u00f6pferischen Prozess des Entwurfes kann sich dieses Wesenhafte dann als individuelle Gestalt zeigen. Die Kinder brauchen die Offenheit damit sie die Kr\u00e4fte f\u00fcr ihre Zukunft entwickeln k\u00f6nnen. Um der Aufgabe gerecht zu werden, m\u00fcssen auch wir die Architektur aus diesen Zukunftskr\u00e4ften gestalten.<\/p>\n<p><em>Der Artikel wurde im &#8222;M+A&#8220;, Nr. 85-86, 2016, ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nAlle Bilder von Martin Riker<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Gedanken zu einer kindgerechten Architektur. Zurzeit werden \u00fcberall Kindertagesst\u00e4tten gebaut. 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